Minnegesang, Bänkelsänger und Küchenlieder

Der [b]Minnegesang[/b] hat seinen Ursprung im 12. Jahrhundert. Der mittelhochdeutsche Dichter Kürenberger schuf die ersten bekannten Minnelieder. Hierbei ging es zunächst einmal nicht, wie gemeinhin angenommen wird, um Liebeslieder von Rittern, die damit einer nicht erfüllbaren Liebe zu einer Dame vom Hof nachtrauern. Vielmehr lieferten sich die höfischen Männer ihre Wettkämpfe nicht nur in Turnieren oder Duellen, sondern maßen sich mit dem Minnegesang in ihren kulturellen Errungenschaften. Zu diesen gehörten das Schreiben, Formulieren, Dichten und Musizieren. Walther von der Vogelweide (circa 1170 bis 1230) war der erste, der auch Lieder über die „Herzeliebe“ schrieb und Liebeslieder auch für das Volk zugänglich machte.

Im Mittelalter entstand auch der [b]Bänkelgesang[/b], der bis ins 19. Jahrhundert eine Möglichkeit für die Bevölkerung war, sich über Neuigkeiten unterrichten zu lassen. Die Sänger stellten sich auf eine Holzbank und sangen ihre Lieder zu Bildern. Diese Form der Unterhaltung war für die Menschen, die zum großen Teil nicht lesen konnten, der Zugang zu Nachrichten und Geschichten über die nähere und fernere Welt sowie Personen der Öffentlichkeit oder auch Gesetzesbrecher und deren Gräueltaten.

Die Ursprünge der [b]Küchenlieder[/b] reichen bis in das 18. Jahrhundert. Ihre Blütezeit hatten diese Lieder vom 19. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Inhalte und Melodien waren denen der Bänkellieder ähnlich. Jedoch wurden die Küchenlieder hauptsächlich vom weiblichen Personal der bürgerlichen Haushalte bei der Arbeit gesungen – und die wurde zu großen Teilen in der Küche verrichtet. In den Liedern ging es häufig um Liebe und Frauenschicksale, um betrogene Liebe und die Sehnsüchte dieser Arbeiterinnen, die von einem sorgenfreien Familienleben meistens nur träumen konnten. Wahrscheinlich trugen das Radio und das Grammophon dazu bei, dass diese Form des Liedguts – und auch das Selbersingen – aus der Mode kamen.

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